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Königin Marie

Lange bevor Bran im Ausland als „Draculas Schloss“ bekannt wurde, war es einfach das Schloss von Königin Marie. Marie, Enkelin von Königin Victoria und Gemahlin von König Ferdinand I., erhielt Bran im Jahr 1920 von den Bürgern von Brașov als Geschenk, aus Dankbarkeit für ihren unermüdlichen Einsatz für die Sache Rumäniens während des Ersten Weltkriegs. Sie hatte die Kriegsjahre damit verbracht, sich um verwundete Soldaten zu kümmern und sich international für ihr Wahlheimatland einzusetzen; später spielte sie eine persönliche Rolle bei der Sicherung der Anerkennung Großrumäniens auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919. Die Presse jener Zeit gab ihr den Spitznamen „die Soldatenkönigin“.

In Bran fand Marie ein Projekt, das ihrem rastlosen, künstlerischen Temperament entsprach. Das Schloss war nach Jahrhunderten als Zollstation und Grenzgarnison verfallen; seine engen Räume waren eher für Soldaten als für Königshäuser geeignet. Marie leitete eine behutsame Restaurierung, ließ eine Wendeltreppe einbauen, die die oberen Stockwerke miteinander verband, beschaffte handgeschnitzte Möbel von lokalen sächsischen und rumänischen Handwerkern und schmückte die Räume mit Buntglas, Keramik und Textilien, die sie auf ihren Reisen gesammelt hatte. Anstatt einen fremden Stil aufzuzwingen, orientierte sie sich am bergigen Charakter des Gebäudes – das Ergebnis erinnert eher an einen märchenhaften Rückzugsort als an einen Palast.

Sie nutzte Bran nicht als zeremonielle Residenz, sondern als echtes Zuhause, in dem sie Familie, Künstler und hochrangige Gäste empfing, und soll es als einen der wenigen Orte empfunden haben, an denen sie sich wirklich erholen konnte. Ihre Tochter, Prinzessin Ileana, erbte das Schloss nach Maries Tod im Jahr 1938 und nutzte es bis zum Exil der rumänischen Königsfamilie nach dem Krieg weiterhin als Familienwohnsitz.

Es ist erwähnenswert, dass Marie selbst keine nachgewiesene Verbindung zur Dracula-Legende hatte – diese Assoziation entstand erst Jahrzehnte später und hing eher lose mit den möglichen historischen Verbindungen von Vlad dem Pfähler zu dieser Region zusammen als mit irgendetwas, das sie selbst getan hatte. Ihr wahres Vermächtnis in Bran ist architektonischer und persönlicher Natur: eine Königin, die einen militärischen Außenposten in einen Ort verwandelte, an dem sie wirklich leben wollte.